
Mahmut Shabestari, Sufi-Dichter, Persien, 14. Jhd.;
in "Notizen der Weisheit des Islam“
Das Betrachten eines Ornamentes ist wie ein Blick in den nächtlichen Sternenhimmel. Das Unendliche im Endlichen. Alles in der Natur ist miteinander verbunden, und jeder Einzelne ist Teil darin. Ein endloses Verwoben sein, sich umschlingen, verbinden, wieder lösen und aufs Neue zusammentreffen.
Was passiert da eigentlich? Welche Bahnen ziehen Planeten und Galaxien? Je länger man diese Muster verfolgt, um so mehr begegnen sie einem überall: in Teppichen, Stoffen, Tellern, in Bewegungen, Tanz, in Blüten, Bäumen, fallendem Laub, im Kreisen der Sterne....
Was ist Buchmalerei?
In der Buchmalerei werden Handschriften, Bücher oder einzelne Blätter mit Ornamenten, Miniaturen und Randverzierungen gestaltet. Die Illumination, im türkischen: Tezhip, umfasst den großen Bereich der Ornamentmalerei; außerdem gehören die Miniaturmalerei und daneben noch die Blumen- und die Portraitmalerei dazu.
Die Verbreitung der Buchmalerei reicht von Ostasien über den islamischen Raum und Europa bis ins Amerika der Maya und Azteken. Seit der Antike sind Arbeiten dieser Kunstrichtung dokumentiert. Mit dem Beginn des Buchdrucks verliert sie sich aber nach und nach.
Im islamischen Raum kommt der Buchmalerei eine besondere Bedeutung zu. Das zentrale Stichwort, das diese besondere Entwicklung im Bereich der Ornamentik, Illumination und in der Stilisierung der gegenständlichen Formen ermöglichte, ist das Bilderverbot. Die Künstler entwickelten hier eine außerordentliche Kreativität und Feinfühligkeit in der Anlage der ornamentalen Darstellungen und geometrischer Muster für die Buchmalerei des sakralen Bereiches.
Auch im Christentum hat es eine Zeit des Bilderverbotes gegeben. Dass schließlich der Bilderstreit zugunsten der Ikonophilen entschieden wurde, führte hier zu einer vollständig anderen Entwicklung der Malerei.
Wie sind die Ornamente entstanden?
Die Maltechnik dieser Ornamente stammt aus der Malschule des Top Kapı Palastes in Istanbul. Einige der Motive sind nach Vorlagen aus dieser Malschule entwickelt, einige nach historischen Vorlagen, einige sind in der traditionellen Art neu entworfen, einige enthalten auch Elemente, die es in den historischen Entwürfen nicht gab, die aber dennoch in traditioneller Weise eingefügt sind.
Internationales Festival für Illumination und Miniatur in Tlemcen/Algerien, Juni 2011
"Deutsche Illumination nach islamischer Art in einer Dimension von Offenheit und Toleranz
Wiederkehrende Szenen im Geiste von Offenheit und Toleranz spiegeln sich in den Inhalten der Illuminationen von Europäern wider, die die Sprache des Ostens hervorragend beherrscht haben. Der Osten, der durch seine übliche Spontanität und seine Schönheit einen Teil des Universums in einer irdischen Welt einnimmt, steht in stetigem Kontakt zum Himmel.
Und diese Tatsache zeigt, dass die Konvergenz der neuen Zivilisationen, die sich nicht in der Theorie der vorsätzlichen Konfrontation unterscheiden, immer durch eine Kunst widerlegt wird, die wahrhaft die Werte menschlicher Kommunikation widerspiegelt, trotz vermeintlicher Grenzen und Unterschiede ... Die gleichen Werte beschriebt die Deutsche Anne Elisabeth in ihren Illuminationen mit unendlicher Präzision und mit den Farben im höchsten Grad der Reinheit.
Das Vokabular der Kunst ist einzigartig, es unterscheidet sich nicht von einem Ort zum anderen, sondern nur in den Begabungen des Künstlers, seinen Visionen und technischen Fertigkeiten, und die Begabungen von Anne Elizabeth zeigen sich in ihrem Stil im Umgang mit der islamischen Tradition, den Illuminationen einen neuzeitlichen Charakter und eine ästhetische Bedeutung zu geben.
Während die deutschen Illuminationen, in Tlemcen von Anne Elizabeth präsentiert, ihre Begabungen zeigen, enthüllen sie gleichzeitig ihre großartigen Fähigkeiten im Bereich der Offenheit und Toleranz, eine gemeinsame Ästhetik zwischen den Gruppen der Menschheit zu finden, ohne Rücksicht auf menschliche Unterschiede. Diese Unterschiede haben keinen Platz in der algerischen Kultur, die immer stärker das Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich zieht."
Abdul Rahman Al-Kanani,
Festival for Illumination and Miniatur in Tlemcen / Algerien, Juni 2011
(Übersetzung aus dem Arabischen vom Autor und von Adil Baiaich)